Vom Trainer missbraucht: 4,5 Jahre Haft, weil er seinen Peiniger tötete | Regional


Zwickau (Sachsen) – Er erschlug seinen ehemaligen Jugendtrainer, der ihn als Kind missbrauchte, mit einer Axt. Am Donnerstag fiel das Urteil im Mord-Prozess gegen René K. (39) vor dem Landgericht in Zwickau (Sachsen). Er wurde wegen Totschlags im minderschweren Fall zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Die Bluttat am 5. Juli 2023 ist an Grausamkeit kaum zu übertreffen. „Mit fünf Schlägen mit einer Spalt-Axt zertrümmerte er dem Opfer den Schädel und die Halswirbelsäule. Beim letzten Schlag blieb die Axt stecken. Jeder Hieb für sich wäre tödlich gewesen.“

Das Opfer Sven H. (53) ist der frühere Jugendtrainer von René K., der ihn als Kind missbrauchte – bis hin zur Vergewaltigung. Nach dem Missbrauch vertraute sich Rene K., der später selbst als Fußballtrainer u.a. beim FSV Zwickau arbeitete, niemanden an.

Das Haus des Angeklagten nach dem Mord, das Auto des Opfers parkt noch vor der Tür

Das Haus des Angeklagten nach dem Mord, das Auto des Opfers parkt noch vor der Tür

Foto: Frank Selig

Er litt unter Albträumen vom Missbrauch

Nach einem Autounfall 2011 verlor Rene K. dann jegliche Erinnerung an sein früheres Leben. Er litt unter Albträumen, in denen ihn ein Mann missbrauchte. Ein Freund gab ihm den Hinweis auf das spätere Opfer, der bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt wurde.

René K. nimmt Kontakt mit seinem früheren Trainer auf. Beim zweiten Treffen greift er zur Axt. An die konkrete Tat hat er angeblich keine Erinnerung.

Sven H. (53) wurde im vergangenen Sommer erschlagen

Sven H. (53) wurde im vergangenen Sommer erschlagen

Foto: Privat

Ein psychologischer Gutachter erklärte im Prozess, dass die Amnesie, ausgelöst durch den Unfall, ihre Ursache im früheren Missbrauch des Angeklagten hatte. Bei der Begegnung mit dem ehemaligen Trainer brach das Trauma auf, es kam zu einer Bewusstseinsstörung bei René K. und der furchtbaren Bluttat.

Richter Jörg Burmeister (51): „Es war kein geplanter Mord aus Hass, dagegen spricht schon die Tatausführung zu Hause beim Angeklagten. Er glaubte selber nicht, was er getan hatte. Wir gehen von einer Affekthandlung und einer Bewusstseinsstörung beim Angeklagten zum Tatzeitpunkt aus. Dazu kommt die Vorgeschichte seiner Amnesie. Er ist vermindert schuldfähig.“

Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert, die Staatsanwaltschaft lebenslängliche Haft. Das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig.

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