Unser bestes Spiel seit Jahren



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Österreich und sein Keeper David Kickert werden bei der Eishockey-WM für einen Tag zum Gesprächsthema. Die Moralinjektion kommt rechtzeitig vor dem Duell mit Weltmeister Kanada.

Mit dieser Enttäuschung umzugehen, das war für keinen einfach. Die unglückliche 5:6-Niederlage gegen die Schweiz, die dabei 50 Sekunden vor dem Ende das Siegestor nach einer umstrittenen Strafe erzielt hat, tat vor allem den Schweizern im österreichischen Trainerteam weh. “Ich bin der Meinung, dass wir uns an diesem Abend irgendetwas Zählbares verdient hätten”, meinte Teamchef Roger Bader und sprach damit wohl auch seinem Co Arno Del Curto aus der Seele. Bader hielt aber auch fest: “Das war unser bestes Länderspiel seit Jahren.” Womit er zweifellos recht hat.

Eines, bei dem noch dazu nicht die üblichen Verdächtigen im Fokus gestanden sind. Etwa Clemens Unterweger. Der Osttiroler KAC-Verteidiger, der seinen eigenen Fanclub aus der Heimatgemeinde Huben dabeihat, eröffnete nach fünf Minuten den Torreigen und legte zwei Assists nach. “Mein erstes Länderspieltor bei einem A-Turnier und dann ein Drei-Punkte-Spiel gegen die Schweiz – das ist schon etwas, an das man sich erinnern wird. Auch wenn es besser gewesen wäre, das Team hätte ein paar Punkte gemacht.”

Auch für Unterweger war die Steigerung gegenüber dem Dänemark-Spiel eklatant. “Wir wollten auch gegen die Dänen so spielen, vielleicht wollten wir sogar zu viel.” Aber man habe gesehen, dass man mithalten könne, “wenn wir das Spiel schnörkellos halten können”.

Die internationale Aufmerksamkeit gehörte auch am Tag danach dem Salzburger Keeper David Kickert. Von der “Abwehr des Turniers” sprach gar der US-Sender ESPN, als Kickert am Boden liegend einen Schuss von Roman Josi aus kurzer Distanz noch in den Fanghandschuh bekam. Nicht minder spektakulär war eine Szene, in der er seinen Stock verloren hatte und dann mit der bloßen Hand nach dem Puck griff. Für “Kicks”, wie er von den Teamkollegen genannt wird, war es kein einfaches Spiel. In diesem Jahr war er in Salzburg klare Nummer zwei hinter Atte Tolvanen, machte nur 15 Spiele und hatte seine letzten vollen 60 Meisterschaftsminuten im Februar. “Daher bin ich sofort nach dem Titel zum Team eingerückt und das war wichtig”, sagt Kickert, der über den Schlagschuss von Roman Josi zum 1:2 selbst nur staunen konnte. “So einen One-Timer sieht man selten.” Mit seiner Leistung hat Kickert dem Teamchef eine zweite Torhüteroption neben Daniel Madlener eröffnet, die im Turnierverlauf noch ganz wichtig werden kann. “Ich bin jedenfalls bereit für weitere Aufgaben.” Ob er künftig auch für Salzburg bereit ist, darüber will er (noch) nichts sagen. “Geduld, Geduld.”

Die Moralinjektion kam für das Team jedenfalls zur rechten Zeit, bereits am Dienstag (20.20, live ORF Sport+) wartet Weltmeister Kanada mit WM-Topstar John Tavares. Das werde noch einmal eine andere Liga, glaubt auch Doppeltorschütze Lukas Haudum. “Noch einmal intensiver als alles bisher.”

Aber auch das wird ein Spiel, bei dem es wie bisher für Österreich um zwei Dinge geht: das eigene Spiel einfach halten und die Fehler vermeiden.

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