Täter sieht sich selbst als Opfer: Südstadt-Killer bekommt sein Urteil | Regional


Nürnberg – Es geht um Schutzgeld, Shisha-Tabak und falsche Pässe: Im Pro­zess um den Mord in Nürnberg an Sahan Ö. (†30) hat Mert A. (29) die tödlichen Schüsse vom 24. Oktober 2022 ge­standen.

Er sieht sich selbst als Opfer, habe sich angeblich gegen kriminelle Banden verteidigen wollen.

Am Dienstag wird das Urteil gegen den Südstadt-Killer erwartet.

Sahan Ö. (†30) wurde bei einer „Aussprache“ getötet

Sahan Ö. (†30) wurde bei einer „Aussprache“ getötet

Beim vergangenen Prozesstag hat der Türke, der sich als Ukrainer ausgab und auf der Flucht in einem Strandhotel in Rimini geschnappt wurde (BILD berichtete), vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth sein Schwei­gen gebrochen. Doch sein Geständnis klang zeitweise abenteuerlich.

„Wurde vom russischen Geheimdienst gefoltert“

Mert A. beschreibt sich als Unternehmer, der im Spielautomaten-Busi­ness mitgemischt, Betreibern von Corona-Testzentren zu ihrem Geld verholfen und Clan-Streits in der Nürnberger Südstadt geschlichtet habe.

Polizisten stehen in der Nähe des Tatorts an einer Straßenbahn

Polizisten stehen in der Nähe des Tatorts an einer Straßenbahn

Foto: Daniel Karmann/dpa

„In der Ukraine habe ich mit E-Zigaretten Geschäfte ge­macht“, sagte er aus. „Doch dann begann der Krieg mit Russland, ich floh über Geor­gien und wurde 14 Tage vom russischen Geheimdienst ge­foltert – die haben mir Zehen­nägel gezogen und mich mit Elektroschocks gequält.“

Deshalb habe er sich nach der Ankunft in Deutschland eine belgische Armee-Pistole FN Browning Modell 1910 beschafft.

Eifersucht auch mögliches Motiv

Das spätere Opfer Sahan Ö. habe ihm für 6500 Euro einen stümperhaft ge­fälschten Pass besorgt. Vor einem „Versöh­nungsgespräch“ will Mert A. auch noch von einer Flirt-SMS von Sahan an seine Freundin er­fahren haben.

Zwei Schüsse trafen Sahan Ö. in Brust und Bauch, er starb im Krankenhaus. Auf den ebenfalls anwesenden Orhan A. (35) habe er angeblich in Notwehr geschossen. Der überlebte mit sechs Schussverlet­zungen in Oberschenkel und Bauch.

„Ich wollte niemanden umbringen“, sagte Mert A. in seiner Erklärung auf Türkisch. Er habe sich aber von Orhan A. bedroht gefühlt und deshalb die Waffe mitgenommen. „Der hat schon in der Türkei auf Menschen geschossen.“

Damit versucht er offenbar, um eine lebenslange Freiheitsstrafe herumzukommen.

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