Schock-Details: Skandal-Heim sperrte Demenzkranke mit Schloss weg | Regional


Berlin – Der Skandal um das „Domicil“-Seniorenheim in Berlin-Friedrichsfelde wird immer größer! Jetzt kommt raus: In der Einrichtung wurden Demenzkranke über Nacht gegen ihren Willen eingeschlossen.

Am Montag sollte sich ein Vertreter des „Domicil“-Vorstandes im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses den Fragen der Politiker stellen. Doch der Vorstand kniff. Dafür packte die Berliner Heimaufsicht aus.

Die Einrichtung war am 15. April bundesweit bekannt geworden: Die letzte verfügbare Pflege-Fachkraft hatte abends zum Feierabend den Notruf der Feuerwehr gewählt – weil niemand Qualifiziertes mehr für die Versorgung der 142 Bewohner da war.

Im Pflegeheim „Domicil“ im Lichtenberger Stadtteil Friedrichsfelde gab es offenbar bereits vor dem Vorfall Mängel

Im Pflegeheim „Domicil“ im Lichtenberger Stadtteil Friedrichsfelde gab es offenbar bereits vor dem Vorfall Mängel

Foto: Jörg Bergmann

Schuld sei ein Fehler im „EDV gestützten Dienstplanprogramm, eine Verkettung unglücklicher Umstände, ein Einzelfall“. So lautete jetzt das offizielle Ergebnis der Fehleranalyse.

Aber: Vor der fraglichen Nacht waren bereits zehn „anlassbezogene Beschwerden“ bei der Berliner Heimaufsicht gegen das Heim eingegangen – seit 2021!

Demenz-Bereich mit Zahlenschloss gesichert

► Bei einer Kontrolle stellte die Heimaufsicht fest, dass Bewohner widerrechtlich weggesperrt waren. Weil Personal fehlte? „Es gibt einen Sonderwohnbereich für Demenz-Patienten mit 22 Plätzen. Dieser war mit einem Zahlenschloss gesichert“, sagte Dr. Bettina Jonas, Leiterin der Aufsichtsbehörde und betonte: „Das stellt eine freiheitsentziehende Maßnahme dar. Ohne rechtliche Grundlage ist es nicht gestattet, Bewohner einzusperren!“

► Bereits am 30. Dezember 2023 hatte es einen Polizei-Einsatz in dem Seniorenheim gegeben. „Uns als Heimaufsicht ist das besondere Vorkommnis nicht angezeigt worden, wir hätten aber informiert werden müssen“, so Bettina Jonas. Sollte der Vorfall vertuscht werden?

Im Ausschuss für Gesundheit und Pflege im Berliner Abgeordnetenhaus wurden am Montag Marcel Silbernagel vom Medizinischen Dienst und Dr. Bettina Jonas, Leiterin der Berliner Heimaufsicht, zum Pflegeheim-Skandal angehört

Im Ausschuss für Gesundheit und Pflege im Berliner Abgeordnetenhaus wurden am Montag Marcel Silbernagel vom Medizinischen Dienst und Dr. Bettina Jonas, Leiterin der Berliner Heimaufsicht, zum Pflegeheim-Skandal angehört

Foto: Fabian Matzerath / BILD

► SPD-Abgeordneter Lars Düsterhöft (42) gab im Ausschuss Aussagen eines ehemaligen Pflegers wieder: „Die interne Notrufnummer soll seit über einem Jahr nicht erreichbar gewesen sein“, sagte er. Der Heim-Betreiber hatte dagegen behauptet, in der Katastrophen-Nacht hätte sich bei dem Vorgesetzten lediglich der Akku verabschiedet.

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