Prozess um totes Baby bei Hausgeburt: Hebamme gab nur Globuli | Regional


Verden (Niedersachsen) – Mehr als 3000 Säuglinge werden in Deutschland jährlich tot geboren. Für die Eltern bedeutet das immer großes Leid. Der Fall, der seit Montag vor dem Landgericht Verden verhandelt wird, ist besonders tragisch.

Laut Gutachten würde die kleine Julia noch leben, wenn die damalige Hebamme richtig gehandelt hätte.

Der Fall der tragischen Geburt vor Gericht

Geburtshelferin Sabine D. (62) aus Neustadt am Rübenberge (Region Hannover) ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen angeklagt. Eine andere Kammer hatte vor einigen Jahren in dem Fall vier Jahre Freiheitsstrafe verhängt. Die damaligen Richter sahen darin sogar vorsätzlichen Totschlag. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil jedoch auf. Jetzt wird neu verhandelt.

Rechtsanwalt Tobias Börsch vertritt die Eltern des tot geborenen Kindes. Sie nehmen als Nebenkläger am Prozess teil

Rechtsanwalt Tobias Börsch vertritt die Eltern des tot geborenen Kindes. Sie nehmen als Nebenkläger am Prozess teil

Foto: HENNING SCHEFFEN PHOTOGRAPHY

Die Fehler der Hebamme

Rückblick. Vor neun Jahren hatte sich eine werdende Mutter für eine Geburt zu Hause entschieden. Als der Geburtstermin bereits sechs Tage überschritten war, soll laut Anklage bei der Frau der obere Teil der Fruchtblase gerissen sein. Statt ärztliche Hilfe zurate zu ziehen, soll Sabine B. der Mutter lediglich Globuli und Tropfen gegeben haben.

Drei Tage später, als die Mutter meinte, keinen Herzschlag mehr zu fühlen, sei man gemeinsam zur Hausarztpraxis gefahren, mit der Bitte, das Ultraschallgerät benutzen zu können. Doch da war es bereits zu spät. Die Hausärztin konnte ebenfalls keinen Herzschlag erkennen. Mutter und Kind kamen als Notfall in die Klinik, dort musste die 40-Jährige ihre Tochter tot zur Welt bringen.

Im früheren Prozess hatte die Mutter ausgesagt, sich auf die erfahrene Hebamme verlassen zu haben. Die gab wiederum damals zu, dass sie den Eltern hätte raten müssen, in die Klinik zu fahren. Diese hätten aber auch, als es kritisch wurde, auf eine Hausgeburt bestanden.

Im aktuellen Prozess schweigt die ehemalige Hebamme zu den Vorwürfen. Die Eltern der toten Julia sagen am nächsten Prozesstag, dem 22. Mai, als Zeugen aus.

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