Prozess gegen Maddie-Verdächtigen: Vorwürfe gegen Polizei in Portugal | Regional


Vier Tage, nachdem Hazel B. (damals 20) in ihrem Apartment in Portugal vergewaltigt worden war, kehrte sie mit ihrer Mutter an den Tatort zurück. Am Laken ihres Bettes klebte noch Blut. Ein abgerissener Fingernagel lag auf dem Bett. „Wir wunderten uns“, sagt Hazel B. im Zeugenstand. Sichergestellt habe die Beweismittel niemand.

Die Verwaltungsangestellte aus Irland ist die wichtigste Zeugin im Prozess gegen Christian Brückner (47) vor dem Landgericht Braunschweig. Der Mann, der 2007 die kleine Maddie McCann (damals 3) ermordet haben soll, ist wegen fünf Sexualstraftaten angeklagt. Hazel B. ist sicher: Der Angeklagte ist der Mann, der sie im Juni 2004 vergewaltigt hat.

Wenn das Gericht ihr glaubt, droht dem Maddie-Verdächtigen lebenslange Haft.

Hazel B. sprach 2015 in einem Interview erstmals über die Tat

Hazel B. sprach 2015 in einem Interview erstmals über die Tat

Foto: https://elections.westmeathcoco.

Im Zeugenstand erhob Hazel B. schwere Vorwürfe gegen die portugiesische Polizei. Obwohl sie gleich nach der Tat nackt und geschunden an der Rezeption ihres Apartmenthauses gestanden habe, hätten sich die Beamten kaum für die ihr Martyrium interessiert: „Sie rieten mir, lieber nach Hause zu fahren.“

Erst acht Tage nach der Tat habe sie einen Termin bei der Polizei in Portimão bekommen. „Meine Mutter durfte nicht mitkommen. Nur ein Freund, der Portugiesisch sprach. Da saßen drei Beamte, die Füße auf dem Tisch. Ich verstand nichts von dem, was um mich herum passierte. Sie alberten herum und lachten. Nach ein paar Minuten war alles vorbei. Ich habe nie wieder von der Polizei gehört.“

Man habe ihr zu verstehen gegeben, dass zu viel Aufruhr schlecht für den Tourismus an der Algarve sei. Zivilbeamte hätten ihr später sogar nachgestellt, erzählt die Zeugin. Sie habe die Polizisten angesprochen, warum sie das tun: „Wir wollen nur schauen, ob du eine Schlampe bist.“

In diesem Haus in Praia da Rocha (Portugal) wurde die Zeugin überfallen

In diesem Haus in Praia da Rocha (Portugal) wurde die Zeugin überfallen

Foto: privat

Schlampige Tatortarbeit, Zeugen nicht ernst nehmen, Opfer einschüchtern – der Fall Hazel B. erinnert fatal an die Arbeit der portugiesischen Polizei im Fall Maddie. Auch dort wurde der Tatort erst Stunden nach dem Verschwinden des Kindes gesichert, später die Ermittlungen voll auf die Eltern fokussiert.

Spektakuläre VerbrechenDer Fall
Maddie McCann

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Quelle: BILD

Das Desinteresse der portugiesischen Ermittler im Fall Hazel B. könnte auch erklären, wie verschiedene Unstimmigkeiten in den Akten zustande kamen. Im Polizeiprotokoll aus Portugal ist ein „Tattoo auf dem Hintern“ des Täters vermerkt. Hazel B.: „Das habe ich nie gesagt.“ Sie habe nur erwähnt, der Mann habe „etwas am Oberschenkel gehabt. Ich weiß nicht, was.“ Fotos vom Tatort zeigen den blau-weiß-roten Gürtel, mit dem Hazel B.s Hände gefesselt waren. Im Polizeiprotokoll steht: „buntes Klebeband.“

Sehr detailliert möchte schließlich Richterin Dr. Uta Engemann von Hazel B. wissen, wann die Zeugin vor und nach der Tat Geschlechtsverkehr mit ihrem Freund hatte. Hazel B., der die kalte Fragestellung sichtlich zusetzt, benötigt eine Pause, als das Gericht wissen will, wie lange sie an den Folgen der analen Vergewaltigung zu leiden hatte: „Ich blute noch immer.“

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