Kunstigel in Gmunden als Raum für Baukultur-Ausstellung



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Mit der Ausstellung “Boden g’scheit nutzen!” ist am Donnerstag der “Kunstigel” am Areal des noch in Entstehung begriffenen “KunstQuartiers” in Gmunden offiziell eröffnet worden. Die Schau des Vereins LandLuft zeigt im Rahmen eines assoziierten Projekts mit der Europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl – Salzkammergut 2024 Positivbeispiele für ökologisch und sozial nachhaltigen Umgang mit Flächen und für Baukultur.

Landluft definiert sich als “Verein zur Förderung von Baukultur in ländlichen Räumen”. Alle vier bis fünf Jahre vergibt man den Baukulturgemeinde-Preis an mehrere Kommunen, heuer wurde auch ein Sonderpreis ausgelobt, für den es 68 Einreichungen gab. Bewerber müssen eine Reihe von Projekten vorweisen können, es geht um das System Gemeinde. Ein einzelnes nachhaltiges Gebäude sei gut, aber es brauche ein Gesamtkonzept: “Raumplanung ist die Mutter der Baukultur”, sagt Anneke Essl, Geschäftsführerin von LandlLuft.

Die Ausstellung im “Kunstigel” – der vom Architektenteam soma entworfene Pavillon war schon der offizielle Österreich-Beitrag bei den Kulturhauptstädten Košice und Maribor – zeigt Beispiele von Gemeinden, die sich in Sachen Baukultur und Ortsentwicklung etwas einfallen lassen haben. So etwa die kleine Pendler-Gemeinde Göfis in Vorarlberg. Sie setzt seit 25 Jahren darauf, selbst Bauland anzukaufen. Das gibt ihr Flexibilität. Obwohl es sich um einen Pendlerort handelt, blüht das dörfliche Leben mittlerweile dank Nahversorger, Cafe, einer Bücherei als Dorftreff und vielen Grünflächen.

In Innervillgraten in Osttirol erwachte der Beschützerinstinkt der Bevölkerung, als ein Investor aus dem alten Zollhaus ein Hotel machen wollte. Der Bettenburg samt Chalets wurde doch keine Widmung erteilt, stattdessen wurden günstige Wohnungen errichtet. Und weil man schon dabei war, nahm man als nächstes noch einen Musikpavillon, Co-Working-Spaces für Einheimische und einen Dorfladen in Angriff.

Thalgau schaffte das nahezu Unmögliche und verwandelte die Landesstraße in eine Begegnungszone. Und in Nenzing im Vorarlberger Walgau sicherte man den Himmel für alle: Die Hochalpe “Nenzinger Himmel” wurde nicht für den Tourismus genutzt, sondern zu einer Allmende, einer Gemeinschaftsalm, die allen gehört und im Sommer beweidet wird, gemacht. Erkannt hat man die Bedeutung des schönen Fleckchens für die Gemeindebürger, weil man eine Gemeinwohlbilanz erstellt hat.

Die Location der Baukultur-Ausstellung ist selbst auch ein Beispiel für einen Versuch nachhaltiger Stadtentwicklung: Am Areal der ehemaligen Stadtgärtnerei in Gmunden soll das “KunstQuartier” als Ort für zeitgenössische Kunst und Impuls für die örtliche Entwicklung entstehen. Die Projektbeschreibung sieht es als “Ausstellungsraum, Werkstätte, Artist in Residence-Areal, Veranstaltungsfläche und Erholungsraum zugleich”. Allerdings geht die Realisierung langsamer vonstatten als gedacht, es gebe Verzögerungen durch Änderungen bei der Förderzuteilung, hieß es. Auch der Aufbau des “Kunstigels” erfolgte schneebedingt verspätet. Dennoch – bereits seit 4. Mai – und noch bis 16. Juni – ist im Kunsthaus “Blaue Butter” beim KunstQuartier die Keramik-Ausstellung “All about the Vessel” zu sehen, u.a. mit Werken von Miquel Barcelo und Edmund de Waal. Und mit der Eröffnung der Schau “Boden g’scheit nutzen!”, die noch bis 9. Juni bei freiem Eintritt zu erleben ist, wurde am Donnerstagabend der Kunstigel offiziell eröffnet.

Zur Baukultur-Ausstellung gehören noch einige weitere Veranstaltungen. Geplant sind ein Abend mit Kino & Talk zur Ortskernbelebung in Gmunden am 22. Mai sowie das Event “Höfe, Häuser, Potenziale” am 20. Juni 2024 in Altmünster, das neue Ideen im Umgang mit Bestand liefern soll. Bereits im Oktober war zu einer Baukultur-Werkstatt nach Bad Ischl geladen worden, an der mehr als 100 Personen – Bürgermeister, Gemeindevertreter und interessierte Bürger – teilnahmen, gefolgt von einer Exkursion zu Vorzeigebeispielen im April.

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