Kronzeuge belastet Trump: „Es ging ihm nicht um Melania, sondern den Wahlkampf“ | Politik


Er war früher sein „Fixer“, dann wurde er zur „Ratte“. So jedenfalls aus der Sicht von Donald Trump (77), der in New York wegen einer früheren Schweigegeld-Zahlung angeklagt ist.

Sein Ex-Anwalt Michael Cohen (57) wurde zum Kronzeugen in dem Strafverfahren. Cohen überwies im Wahlkampffinale 2016 130 000 Dollar Schweigegeld an Pornostar Stormy Daniels (45), damit sie über ein angebliches Sextreffen mit Trump schwieg. Der Republikaner soll laut Anklage die Rückzahlung der Summe dann vertuscht und Geschäftsunterlagen gefälscht haben.

Cohen war wichtig für die Anklage: Bei ihm sollten bei der Causa die Fäden zusammenlaufen. Doch der Anwalt – der einst für seinen Boss „eine Kugel abfangen“ wollte, doch dann zum Todfeind wurde – gilt als selbst verurteilter Verbrecher als umstritten. Ein früherer Zeuge nannte ihn sogar einen „Mistkerl“.

Die verfeindeten Männer saßen im Gericht nur wenige Meter voneinander entfernt. Cohen wurde aufgefordert, den Angeklagten zu identifizieren. „Blaue-weiße Krawatte“, sagte er. Trump starrte zuerst, später schloss er die Augen.

Im Schweigegeld-Prozess gegen Donald Trump hat Kronzeuge Michael Cohen (rechts) bestätigt, vor der US-Wahl 2016 systematisch negative Berichte über den damaligen Präsidentschaftskandidaten unterdrückt zu haben

Im Schweigegeld-Prozess gegen Donald Trump hat Kronzeuge Michael Cohen (rechts) bestätigt, vor der US-Wahl 2016 systematisch negative Berichte über den damaligen Präsidentschaftskandidaten unterdrückt zu haben

Foto: Jane Rosenberg/REUTERS

Cohen empfand die Arbeit für Trump zuerst als „tolles Erlebnis“, als sei er „Teil einer großen Familie“, sagte er, den Tränen nahe. Er gab aber auch zu, dass er für Trump log und mobbte, „um den Boss happy zu machen“. Umtriebig sammelte er 30 000 Kontakte, verdiente eine halbe Million Dollar pro Jahr.

Cohen beschrieb dann ein kritisches Treffen mit Trump und David Pecker (72) 2015. Der Tabloid-König versprach, neben der Platzierung positiver Storys in Klatschblättern wie dem „National Enquirer“ auch nach potenziellen Skandalgeschichten Ausschau zu halten.

Im Zuge dessen wurde Cohen über eine angebliche Trump-Affäre mit Playboy-Model Karen McDougal (53) informiert. Als er bei Trump nachfragte, sagte der: „Sie ist wirklich wunderschön!“ Letztendlich zahlte ihr Pecker 150 000 Dollar und begrub die Story, damit sie Trump nicht schaden konnte.

Der Anwalt nahm Trump dann bei einem Treffen heimlich auf. Er informierte ihn, dass er für die Rückzahlung der Summe an „unseren Freund David“ eine Firma gründen wolle. Als Cohen übers Geld sprach, stellte Trump aauf Durchzug: „Welche Finanzierung?“

Man machte sich offenbar auch Sorgen über einen „Tresor voller Trump-Dreck“ beim „National Enquirer“. Und was passieren würde, sollte Pecker „unter einen LKW geraten“, wie es Trump formulierte. Man wollte die Rechte an Skandalstorys in eine neue Firma überführen. „Zahlt mit Bargeld“, sagte Trump nur. Das passierte aber nie.

Donald Trumps früherer „Ausputzer“ Michael Cohen ist der zentrale Zeuge im Schweigegeld-Prozess gegen den Ex-Präsidenten

Donald Trumps früherer „Ausputzer“ Michael Cohen ist der zentrale Zeuge im Schweigegeld-Prozess gegen den Ex-Präsidenten

Foto: Julia Nikhinson/dpa

Im Wahlkampf wurde es Anfang Oktober 2016 brenzlig als das „Access Hollywood Tape“ mit Trumps Prahlereien über sexuelle Übergriffe platzte. Brisant: Laut Cohen habe Trumps Ehefrau Melania die Idee gehabt, die „Greif ihnen an die Muschi“-Kommentare als Männergerede in der Umkleide zu verharmlosen.

Prompt die nächste Bombe: Pornostar Stormy Daniels! Beim Tauziehen um den Stormy-Deal habe der Anwalt Trump gefragt, was Melania sagen würde. Dann der Kronzeuge: „Es ging für ihn nicht um Melania, sondern nur um den Wahlkampf“.

Ein Erfolg für die Ankläger: Sie wollen beweisen, dass Trump nicht aus Sorge um seine Ehe handelte, sondern den Wahlkampf beeinflussen wollte. Trumps Sohn Eric (40) reagierte prompt: Cohens Aussage sei „total einstudiert“ gewesen, postete er.

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