Arbeitskräftepotenzial für AK-Ökonom in Österreich “enorm”



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Arbeiterkammer-Chefökonom Markus Marterbauer sieht ein “enormes” ungenutztes Arbeitskräftepotenzial in Österreich. Unter anderem über Stundenaufstockung von Teilzeitkräften, Qualifizierung von Zuwanderern, Personen in Niedriglohnjobs und Leiharbeitern sowie Mobilisierung der “stillen Reserve” könnte der Fachkräftemangel in Österreich zielführend bekämpft werden, sagte Marterbauer am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. “Ich behaupte nicht, dass das leicht zu heben ist.”

Öffentlich finanzierte Qualifizierungsangebote sollte es nicht nur für Arbeitslose, sondern auch für Beschäftigte und Scheinselbstständige geben, sagte der AK-Ökonom. Das Arbeitsmarktservice (AMS) oder eine andere zu schaffende Institution sollte sich seiner Ansicht nach auch um die Vermittlung und Qualifizierung von Beschäftigten kümmern. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Niedriglohnsektor könnten qualifiziert und dann in die Industrie oder in besser bezahlte Dienstleistungsjobs vermittelt werden.

Laut Statistik Austria belief sich die verfügbare “stille Reserve” in Österreich im Vorjahr auf 96.400 Personen und die nicht verfügbare “stille Reserve” auf 69.300. Bei der “stillen Reserve” handelt es sich um Nicht-Erwerbspersonen (weder erwerbstätig noch arbeitslos) im Alter von 15 bis 74 Jahren, die zwar nach Arbeit suchen aber nicht kurzfristig verfügbar sind bzw. um Personen, die zwar kurzfristig beginnen könnten, aber nicht nach Arbeit gesucht haben, obwohl sie gerne arbeiten würden.

Marterbauer erwartet, dass durch den demografiebedingten Arbeitskräftemangel “bessere Jobs” entstehen. “Ich finde Arbeitskräfteknappheit super.” Unternehmen müssten sich “an den Bedürfnissen der Mitarbeiter ausrichten, etwa bei der Arbeitszeit oder Bezahlung”. Der aktuelle Fachkräftemangel sei aber nicht mit Anfang der 1970er-Jahre vergleichbar, so der Ökonom. Damals seien auf eine offene Stelle 0,4 Arbeitslose gekommen, heute seien es vier Personen.

Kritik übte der AK-Ökonom an der Wirtschaftspolitik der türkis-grünen Bundesregierung. Die “zentrale Ursache” für die seit Anfang 2022 hierzulande stagnierende Wirtschaftsleistung sei die Teuerung. Die Inflation sei in Österreich in den vergangenen zwei Jahren im Schnitt um 1,7 Prozent höher als in der Eurozone gewesen. Die Bundesregierung habe “nicht gezielt strategisch” die Teuerung bei Energie, Nahrungsmittel und Mieten bekämpft, kritisierte Marterbauer. Durch hohe Reallohnerhöhungen werde heuer der Konsum anziehen und es zu einer Konjunkturerholung kommen. Im Gegensatz zu manchen Wirtschaftsvertretern ist der AK-Chefökonom für Österreichs Industrieunternehmen sowohl kurz- als auch langfristig “sehr optimistisch”. “Unsere Industrie ist bärenstark.” Im Gegensatz zu Deutschland wachse und investiere die heimische Industrie seit 2015 deutlich.

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